Die richtige Verwendung von “als” und “wie

Die richtige Verwendung von “als” und “wie

Es kommt bei dem Vorgang des Schreibens nicht selten vor, dass ein Vergleich zwischen zwei Fakten oder Objekten hergestellt wird, um dem Leser ein genaueres Bild des beschriebenen Sachverhalts zu vermitteln. Diese Vergleiche werden in der Regel mit den Wörtern “als” oder “wie” formuliert. Bei vielen Textern oder Publizisten kommt jedoch im Zusammenhang mit diesen beiden Wörtern die Frage auf, wann genau welches Wort verwendet wird. Diese Frage beschäftigt die meisten Texter sowohl beim Schreiben selbst als auch beim abschließenden Korrekturlesen, dabei ist die Antwort relativ simpel und eindeutig.

Die No-Go-Formulierung

Landläufig hat sich eine Formulierung eingebürgert, die auf jeden Fall als grundlegend falsch angesehen werden muss. Die Kombination “als wie” liest sich nicht nur schrecklich, sie hat auch eine absolut gegensätzliche Bedeutung. Der Grund dafür ergibt sich aus der Regelung, die für die Verwendung der beiden Wörter “als” und “wie” zugrunde gelegt wird. Ein guter Texter weiß dementsprechend, dass diese Kombination auf gar keinen Fall bzw. nur in extremen unvermeidlichen Ausnahmesituationen verwendet wird.

Eine Gemeinsamkeit der beiden Wörter

Die Gemeinsamkeit der Wörter “wie” und “als” ist der Umstand, dass eine Beziehung zwischen zwei Dingen zum Ausdruck gebracht werden soll. Für den Leser wird es dadurch leichter, die Kernbotschaft des Textes zu erfassen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn die beiden Wörter “als” und “wie” im korrekten Zusammenhang von dem Texter Verwendung finden. Die unkorrekte Verwendung der beiden Wörter ist ein Fehler, der recht häufig vorkommt und das Verständnis des Lesers im Hinblick auf die Kernbotschaft des Textes merklich erschwert. Da jeder Texter bzw. Publizist jedoch ein Interesse an einem inhaltlich korrekten Text hat, sollte die Regelung im Hinblick auf die Verwendung der beiden Wörter “als” und “wie” auf jeden Fall bekannt sein.

Wann wird welches Wort verwendet?

Im Endeffekt gibt es eine sehr simple Regelung, wann das Wort “als” und wann das Wort “wie” verwendet wird. Es kommt grundlegend darauf an, was du mit dem Vergleich in deinem Text bzw. Deiner Publikation zum Ausdruck bringen möchtest. Möchtest du zwischen zwei Objekten oder zwei Fakten im Zuge eines Vergleichs eine Gleichheit zum Ausdruck bringen, dann verwendest du das Wort “wie”. Das eine von dir beschriebene Objekt oder das eine von dir beschriebene Faktum ist dann identisch mit dem anderen Objekt oder Faktum. Ein Beispiel hierfür wäre: “Ein Ball rollt wie jeder andere Ball!”.

Möchtest du allerdings mit deinem Vergleich auf einen Unterschied zwischen zwei Objekten oder Fakten zum Ausdruck bringen verwendest du das Wort “als”. Du unterstreichst dann in deinem Text, dass das eine Objekt oder das eine Faktum anders ist als das andere Objekt bzw. Faktum. Ein Beispiel hierfür wäre: “Ein Sportwagen fährt schneller als ein Fahrrad!”.

Die Verwendung der beiden Wörter “als” und “wie” ist in der deutschen Grammatik eindeutig geregelt. Im Hinblick auf die “No-Go-Formulierung” gibt es jedoch eine Ausnahme, die sich aus dem Satzbau heraus ergeben kann. Durch die sogenannten Schachtelsätze, die jeder Texter gern vermeidet, kann sich diese Konstellation “als wie” durchaus ergeben. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Text einmal professionell Korrekturlesen zu lassen.

Korrigieren und redigieren – zwei Wege zu einem exzellenten Text

Korrigieren und redigieren – zwei Wege zu einem exzellenten Text

Korrigieren und Redigieren sind zwei wesentliche Aufgaben vor der Veröffentlichung eines Textes. Beide Methoden haben gewisse Schnittstellen und Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich im Kern aber erheblich. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Unterschiede beim Korrigieren und Redigieren vor und zeigen, wie Sie Ihre Texte durch das Korrekturlesen lassen und das redigieren lassen optimieren.

Mehr als “nur” sprachlich richtig

“Mein Text ist sprachlich einwandfrei!” Wer das von seinem Buch, seiner Doktorarbeit oder seinem Zeitungsartikel sagen kann, hat schon eine Menge erreicht. Aber reif für die Veröffentlichung ist der jeweilige Text damit noch lange nicht. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Buch mit einem einzigen, langen Absatz ohne Einschübe und Kapitel verfasst. Glauben Sie, dass dieses Buch viele Menschen lesen werden? Eher nicht. Denn es ist weit mehr als die sprachliche Richtigkeit, die einen Text für uns interessant, ansprechend und lesenswert macht.

Unser Auge wünscht sich Führung, unser Gehirn Pausen und unser Gedächtnis prägnante Kapitel. Das gilt im Onlinebereich, wo wir eine Seite direkt weg klicken, wenn sie unübersichtlich aufgebaut ist, stimmt aber auch für Printmedien. Deswegen ist die Perfektionierung eines Textes mit dem Korrigieren noch nicht erledigt. Vielmehr muss das Gesamtbild harmonisiert und für die Veröffentlichung vorbereitet werden. Der Leser möchte einen gefälligen Text, mag der Inhalt noch so kontrovers sein.

Korrigieren – die Perfektionierung der Sprache

Das Korrigieren beschäftigt sich mit der reinen Sprache eines Textes. Hierzu gehören unter anderem die Rechtschreibung, die Grammatik und die Zeichensetzung. Sie wären erstaunt, wie oft sich in das Wort Rhythmusgefühl Fehler einschleichen. Ebenso gelingt es nicht immer im Satz: “Die, die die, die die Diskussion angestoßen haben, zu bändigen versuchen, werden scheitern.” die Kommata richtig zu setzen. Und war es jetzt nochmal der Ketchup, die Ketchup oder das Ketchup? Für all diese Aufgaben gibt es das Korrektorat.

Beim Korrigieren eines Textes geht es darum, die vorhandenen Fehler auszubessern. Diese entstehen aus ganz unterschiedlichen Gründen: Einige Worte sind ungebräuchlich, einige Kommaregeln schwer verständlich und manchmal liegt lediglich ein Tippfehler vor. Personen in einem Korrektorat kennen nicht nur die gebräuchlichen Regeln der deutschen Sprache, sondern sind auch Experten bei den Ausnahmen und Sonderfällen. Entsprechend finden sie selbst noch so kleine Fehler in einem Text und verbessern diese.

Korrigieren ist nicht gleich lektorieren

Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Korrigieren und dem Lektorieren. Das liegt vor allem daran, dass Sprache deutlich mehr ist als sprachliche Richtigkeit. “Der Aschenbecher gnuschelt hinter dem Kaviar.” ist ein gramattisch korrekter Satz und enthält auch keine Rechtschreibfehler. Er ist nur komplett sinnfrei und enthält ein frei erfundenes Wort. Wenn Sie einen solchen Satz veröffentlichen, werden Sie Ihre Leser zumindest sehr irritieren, wenn nicht sogar verlieren.

Das Lektorat beschäftigt sich daher mit sprachlichen Aspekten wie der Wortwahl, der Verständlichkeit, dem Stil und den sprachlichen Bildern. Es versucht, Gedankensprünge zu beseitigen, Verständlichkeit zu erzeugen und einen einheitlichen Sprachstil zu erreichen. Das geht über das reine Korrigieren weit hinaus, weil es auf die Absicht und die Ziele der Sprache achtet und nicht nur auf ihre Funktionsweise.

Redigieren – die Perfektionierung des Gesamtpakets

Das Redigieren schließlich ist die Krönung einer Textüberarbeitung. Sie sorgt dafür, dass ein sprachlich einwandfreier Text tatsächlich veröffentlicht werden kann. Steht in einem wissenschaftlichen Text zum Beispiel der Satz: “Der Laichballen eines Grasfrosches enthält bis zu 4.000 Eier.”, erwartet der Leser, dass er korrekt ist. Deswegen muss im Rahmen des Redigierens sichergestellt sein, dass das der Fall ist. Die für das Redigieren zuständigen Mitarbeiter müssen daher Experten in einem Sachgebiet sein oder extrem gut recherchieren können.

Neben solchen inhaltlichen Aspekten spielt beim Redigieren das äußere Erscheinungsbild eines Textes eine große Rolle. So müssen Absätze zum Beispiel gekürzt oder Zwischenüberschriften eingefügt werden, um die Lesbarkeit zu erhalten. Außerdem wird beim Redigieren die Zielgruppe in den Blick genommen. Ein Text, der für ein Fachpublikum ideal geeignet ist, kommt in einem Boulevardblatt in der Regel nicht gut an. Außerdem muss zum Beispiel bei einem Zeitungsartikel sichergestellt sein, dass sich Text und Bilder optimal ergänzen und im Content-Management-System (CMS) nicht verrutschen. All das sind klassische Aufgaben beim Redigieren.

Dienstleister für das Korrigieren und Redigieren

Wenn ein Autor oder Journalist einen Text erfolgreich verfasst hat, ist er oder sie meist glücklich und will das Geschriebene nur noch veröffentlicht sehen. Große Lust, nach fehlenden Kommata oder Tippfehlern zu suchen, besteht in der Regel nicht. Dasselbe gilt für Studenten, die nach monatelanger und teils jahrelanger Recherche endlich eine Abschlussarbeit fertiggestellt haben. Sie wollen einfach nur noch ihre Abschlussnote bekommen und den Text nicht noch ein fünfzigstes Mal lesen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die finale Überarbeitung auszulagern. Hierfür gibt es kompetente Dienstleister mit Erfahrung, Sprachgefühl und Freude an vielfältigen Themen, bei denen Sie Ihren Text Korrekturlesen lassen und redigieren lassen können.

Titelbild von Lamai Prasitsuwan | shutterstock

Oft werde ich gefragt: „Und, was machen Sie beruflich?“

Oft werde ich gefragt: „Und, was machen Sie beruflich?“

Ich betreibe einen Schreibservice und bin im Rahmen dessen hauptsächlich als freiberufliche Mitarbeiterin für Transkriptionsbüros tätig. Heißt, ich bekomme von dort Angebote für Aufträge und kann entscheiden, ob ich sie annehme oder nicht. So sind Aufträge eigentlich immer vorhanden. Diese werden dann vorher besprochen. Auch bei Rückfragen bekommt man eine prompte Antwort und wird bei Problemen nicht im Regen stehen gelassen. Dank Internet läuft alles problemlos, Aufträge werden heruntergeladen, fertige Transkripte gehen per E-Mail zurück. Auch wenn es mit einem Transkriptionsbüro vielleicht eine besonders gute Zusammenarbeit gibt, muss man aufpassen, dass man nicht unter die Kriterien der Scheinselbständigkeit fällt. Mehrere Auftraggeber sind da schon gut. Das heißt aber auch, dass ein gut strukturiertes Arbeiten notwendig ist, um die Aufträge auch wirklich schaffen zu können.

Ich denke, es ist eine sehr interessante Arbeit, da sich die Aufträge nicht immer um das gleiche Thema drehen. Für Abwechslung ist immer gesorgt. Ich würde sagen, man lernt ständig dazu, schreibt über Themen, mit denen man sich sonst nie beschäftigt hätte und die aber doch interessant sind.

Was heißt es eigentlich, Transkripte zu schreiben?

Ganz einfach gesagt: Man schreibt auf, was andere Personen gesagt haben und das Ganze nach den Regeln, die der Kunde möchte. Die Texte gehören dem Kunden. Daher steht Verschwiegenheit ganz oben auf der Agenda.

Gehör und Konzentration sind die halbe Miete

Ein gutes Gehör und einen ruhigen, ungestörten Arbeitsplatz. Als freie Mitarbeiterin arbeite ich zu Hause. Das hat den Vorteil, dass ich mir den Arbeitsplatz nach meinem Geschmack und wie es mir passt eingerichtet habe. Und ob ich im Ballkleid oder in Jogginghose arbeite, interessiert niemanden. Immer so, wie ich mich beim Arbeiten wohlfühle UND, wie ich mich am Besten konzentrieren kann. Denn, Konzentration ist das A und O beim transkribieren. Mit dauernden Ablenkungen kommt man nicht vorwärts. Mit jeder neuen Tonaufnahme hat man mindestens eine neue Stimme im Ohr. Auf die muss man sich einstellen, jeder redet anders. Einer schneller, einer langsamer, mit Dialekt, ohne Dialekt… Und wenn dann fünf und mehr Personen um das Mikrofon sitzen, muss man schon sehr genau zuhören, wer da grade spricht.

Auf das Thema einlassen

Im Laufe der sieben Jahre, in denen ich transkribiere, habe ich gelernt, dass man sich auf das Thema einlassen muss, man muss mitdenken oder es zumindest versuchen. Weil, ich kann nichts ordentlich schreiben, wenn ich den Sinn nicht verstehe. Erste Adresse ist in solchen Fällen immer Google. Ein wenig einlesen, wenigstens im Groben wissen, um was es geht. Fachbegriffe werden gesucht, dann schreibt es sich meist leichter. Manchmal braucht man Google aber auch nur um zu sehen, ob es für die gebrauchten Worte auf Denglisch schon eine offizielle Schreibweise gibt.

An die Deadline muss man sich halten

Apropos schreiben. Voraussetzung ist eine angemessene Geschwindigkeit beim Schreiben. Im „Adler-Such-Modus“ wird das nichts. Hat man das nicht irgendwo gelernt, so wie ich, wird man aber im Laufe der Zeit immer schneller, Learning by Doing sozusagen. Was allerdings auch eine Frage des Themas ist. Schwierige Themen, die mit vielen Fremdwörtern gespickt sind, gehen nicht so flüssig von der Hand. Gleiches trifft bei schlechten Tonaufnahmen zu. Wenn es rauscht, piept oder ein lauter Hintergrund ist, heißt es einen Satz dreimal hören, bis man alles versteht. Wie man zu einer guten Tonaufnahme kommt, habe ich bereits in einem anderen Blogartikel erwähnt. In den Fällen ist dann wieder eine gute Abstimmung mit dem Auftraggeber wichtig. Für jeden Auftrag gibt es eine Deadline. Einfach nicht liefern oder fünf Minuten vorher den Auftrag mit „ich kann das nicht schreiben“ zurückgeben… das geht nicht. Weil, komme ich mit einer Aufnahme nicht klar, meist, weil ich den Dialekt nicht verstehe, merke ich das ziemlich schnell.

Die Qualitätskontrolle erfolgt zum Schluss

Sicherheit in Rechtschreibung und Grammatik muss ich nicht weiter erwähnen. Flüchtigkeitsfehler passieren leider trotzdem. Daher steht bei mir als letzter Arbeitsgang immer die Rechtschreibprüfung. Ohne die geht kein Transkript raus.

Das richtige Equipment erleichtert die Arbeit

Das nützt aber alles nichts, ohne die nötige technische Ausstattung. Man braucht ein Transkriptionsprogramm, ich bevorzuge da F4, und natürlich einen Rechner, der die Tonaufnahmen und Videos ruckelfrei wiedergeben kann. Kopfhörer sind auch ein wichtiges Thema. Hier kommt es nicht auf tollen Sound an, sondern, dass die Sprache klar ankommt. Eine große Arbeitserleichterung ist das Fußpedal. So können die Finger auf der Tastatur bleiben und man muss nicht dauernd die entsprechende Taste suchen. Wobei auch die Tastatur ein wichtiger Punkt ist. Ich arbeite inzwischen mit einer ergonomisch geformten Tastatur. Für Vielschreiber mit den berufstypischen Verspannungen und Problemen in den Handgelenken meiner Meinung nach unerlässlich.

Transkription ist keine Arbeit, die man mal eben so nebenbei machen kann, keine Beschäftigungstherapie, für die man auch noch Geld bekommt. Man muss auch hier eine gewisse Berufsehre entwickeln, sich dahinterklemmen, immer bestrebt sein, die bestmögliche Qualität abzuliefern. Jedes Wort kann man nicht immer verstehen, aber sich bemühen, die Zahl der unverständlichen Worte so gering wie möglich zu halten. Wenn der Auftraggeber, also in meinem Fall die Transkriptionsbüros, für die Korrektur meiner Transkripte die gleiche Zeit brauchen wie ich für das Schreiben, dann ist das Ziel verfehlt, dann war es keine gute Arbeit.

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Richtig gendern bei Hausarbeit und Klausur

Richtig gendern bei Hausarbeit und Klausur

Müssen Studierende bei wissenschaftlichen Arbeiten an einer Hochschule gendern? Vielleicht hast du dir die Frage selbst schon einmal gestellt. Fakt ist: Mittlerweile gibt es an nahezu jeder Hochschule einen Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache. Gendern ist an Hochschulen also zunehmend erwünscht.

Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass du bestraft wirst, wenn du auf eine geschlechtergerechte Sprache in Hausarbeiten oder Klausuren verzichtest. Solch eine Sprache trägt aber nicht zuletzt dazu bei, dass Frauen in der Wissenschaft die ihnen zustehende Wertschätzung erfahren. Deshalb solltest du eine geschlechtergerechte Sprache vielleicht einfach nutzen, selbst wenn der Verzicht darauf keine negativen Folgen für dich hätte?

Gendern ist praktizierte Gerechtigkeit

Die Universität zu Köln definiert die geschlechtersensible Formulierung als den Einsatz der Sprache auf eine Weise, “dass alle Geschlechter oder Identitäten gleichermaßen sichtbar und wertschätzend angesprochen werden”. Das klingt gut. Aber muss man dafür wirklich gendern? Kann man stattdessen nicht einfach alles lassen, wie es lange Zeit gewesen ist? Du schreibt zum Beispiel “Student”, meinst die Studentin einfach mit und sorgst dafür, dass das auch bei einem Lektorat
nicht verändert wird?

Die Hochschule Emden Leer zitiert als Antwort auf solch eine Frage in ihrem Leitfaden ein interessantes Experiment. Bei ihm wurde eine Gruppe von Teilnehmenden aufgefordert, berühmte Politiker, Schriftsteller, Maler und weitere prominente Personen zu nennen. Die zweite Gruppe bat man dagegen um Namen berühmter Politikerinnen und Politiker, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Malerinnen und Maler … In der zweiten Gruppe seien bis zu einem Drittel mehr Frauen genannt worden als in der ersten, heißt es im Leitfaden der Hochschule. Gendergerechte Sprache macht die wichtige Rolle von Frauen in der Gesellschaft also sichtbarer und sie ermuntert weitere Frauen dazu, solche Rollen anzustreben.

Bleibt die Frage: Ist Gendern für Studierende verpflichtend?

Die einzelnen Hochschulen definieren unterschiedliche Ansprüche an die Sprache in Klausuren und Hausarbeiten. Das solltest du berücksichtigen, wenn du eine wissenschaftliche Arbeit schreibst oder jemanden zum Korrekturlesen beauftragst. Einen Beleg für die unterschiedlichen Ansprüche lieferte die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel vom 31. Oktober 2019. Sie berichtete unter anderem von der Universität Greifswald. Dort war im April 2019 der Beschluss gefasst worden, ab dem Wintersemester 2019/2020 eine geschlechtergerechte Sprache zu nutzen.

Der Beschluss gelte jedoch vor allem für offizielle Dokumente der Hochschule, zitierte die Süddeutsche Zeitung die Linguistik-Professorin Konstanze Marx von der Universität Greifswald. Hausarbeiten werden dabei eher nicht zu den offiziellen Dokumenten gezählt und in den Vorgaben der Universität stehe über einen “Zwang zum Genderstern oder Binnen-I kein Wort”, heißt es in der Süddeutschen Zeitung weiter.

Etwas anders ist die Situation an der ebenfalls im Artikel genannten Theologischen Fakultät in Greifswald. Deren Handreichung für Seminar- und Abschlussarbeiten bezeichnet geschlechtergerechte Formulierungen als eine von acht formalen Bewertungskriterien. Der Studiendekan Heinrich Assel weist in der Süddeutschen Zeitung allerdings darauf hin, dass das Fehlen oder Vorhandensein einer geschlechtergerechten Sprache bisher in Hausarbeiten noch nicht beurteilungsrelevant geworden ist.

Varianten des Genderns

Der jeweilige Leitfaden der Hochschule verrät einiges darüber, welche Arten des Genderns von der Hochschule bevorzugt werden. Möglichkeiten des Genderns gibt es viele. Du kannst zum Beispiel eine neutrale Bezeichnung wie Studierende, Fachkraft, Person oder “alle” statt “jeder” verwenden. Möglich sind zudem ausgeschriebene Begriffe für Männer und Frauen wie “Studenten und Studentinnen”. Daneben gibt es beispielsweise noch:

  • Gender-Gap: Student_innen.
  • Gender-Sternchen: Student*innen.
  • Binnen-I: StudentInnen.
  • Gender-Klammer: Student(in).

Die Leitfäden der Hochschulen benennen in der Regel Vor- und Nachteile der Varianten. Sie empfehlen einige und lehnen andere tendenziell ab. So weist die Universität Hamburg darauf hin, dass mit dem Gender-Gap neben Frau und Mann andere Geschlechter berücksichtigt werden sollen. Ein Nachteil kann dabei eine relativ schlechte Lesbarkeit der Wörter sein. Die im Leitfaden aufgestellten Regeln für eine geschlechterneutrale Sprache solltest du weitergeben, falls du bei einer Hausarbeit Fachkräfte zum Korrekturlesen beauftragst. Nur wer Regeln kennt, kann sie bei Korrektur oder Lektorat berücksichtigen.

Am besten: fragen!

Als Student oder Studentin fragst du am besten die jeweilige Lehrkraft, bei der du die wissenschaftliche Arbeit schreibst, zu den von ihr akzeptierten Varianten der geschlechtergerechten Sprache. Solltest du danach mit deinem Dozenten oder deiner Dozentin uneins sein, kannst du gegebenenfalls auf die Regeln im Leitfaden deiner Hochschule verweisen.

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